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Anna Katharina Hahn

Das Kleid meiner Mutter

ERZÄHLUNGEN UND ROMANE

Informationen: , 19.95 €

Verlag: Suhrkamp

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Redaktion

Leser

Rezension

Alkohol, Zigaretten, ein bisschen Party - wo die Perspektive fehlt, vermag nur der kurze Rausch ein wenig vom alltäglichen Jammertal abzulenken. Dass die ausgebildete Lehrerin Anita mit Gelegenheitsjobs ihr Dasein bestreiten muss, gehört zum Los der "Generación Cero". Im Blues der Nostalgie schreibt sich die 1970 in Stuttgart geborene Autorin Anna Katharina Hahn in das Schicksal jener verlorenen Jugend Spaniens ein. Sie erzählt von Armut und Überdruss und geht dabei weit über eine bloße Sozialkritik hinaus. Die Wirklichkeit ist nicht genug. Zumindest nicht für ihre Heldin. Als Anita eines Abends ihre Eltern tot im Bett auffindet, wird ein Experiment schnell zu einem neuen Existenzentwurf: Mit den alten Kleidern ihrer Mutter schlüpft sie förmlich in ein neues Leben, das ihr selbst rätselhaft, magisch und surreal erscheint. Eine wendungsreiche Geschichte, gehalten in einem leichtfüßigen, bisweilen lapidaren Ich-Erzähler-Sound, die zwar eine solide Lektüre verspricht, wer allerdings Hahns intelligente Fabulierkunst - etwa in ihren Romanen "Kürzere Tage" oder "Am schwarzen Berg" - zu schätzen gelernt hat, den werden Phrasen wie "sie sind meine besten Freunde, mein Heimathafen" kaum zufriedenstellen. So bleibt bei ihrem neuen Roman leider das Prädikat: ausbaufähig.

Kurzbeschreibung

Madrid im Sommer 2012: Krass zeigen sich in der Hauptstadt die Auswirkungen der jüngsten Wirtschaftskrise. Die junge Ana María, genannt Anita, gehört zur »verlorenen Generation«, der jede Möglichkeit einer selbstbestimmten Existenz genommen wurde. Ihr Bruder, ein promovierter Germanist, hat sich bereits nach Berlin abgesetzt, um auf dem Bau sein Geld zu verdienen. Anita ist aus Not in ihr altes Kinderzimmer zurückgezogen. Halt geben ihr neben der Familie nur ihre Freunde, die das Schicksal der Dauerarbeitslosigkeit mit ihr teilen, und die regelmäßigen Demonstrationen auf der Puerta del Sol im Herzen der überhitzten Metropole. Doch alles Schlimme lässt sich noch steigern: Eines Tages liegen Anitas Eltern tot in der gemeinsamen Wohnung. Unversehens rutscht sie in das Leben der Mutter hinein. Anita muss nur eines ihrer Kleider überstreifen, schon halten sie alle – auch Mutters geheimnisvoller deutscher Liebhaber – für Blanca. Und deren Alltag ist viel aufregender, als Anita sich hätte träumen lassen: »Es fühlte sich gut an, meine Mutter zu sein. Ich war schön, auf eine mir unbekannte Weise … Selbst in den Gesichtern mancher Frauen sah ich ein Aufleuchten.«


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